
Michael Sassenhagen ist Pastor in der Kirchengemeinde Dollbergen-Schwüblingsen
Liebe Leserinnen und Leser,
schon wieder ein deutscher Spitzenpolitiker in der Kritik und ausgerechnet zum zweiten Mal der Bundespräsident. Mich stört nicht zuletzt, dass ich als Privatperson beinahe gezwungen werde, mich für oder gegen einen Rücktritt des Kritisierten zu entscheiden. Selbstverständlich bilde ich mir eine Meinung, aber wenn seitens der Politik und der Medien die Einschätzungen sehr zugespitzt werden, muss ich dabei nicht mitmachen. Martin Luther hat in seiner Erklärung zum 8. Gebot eine gute Orientierung gegeben: „Niemand soll dem andern Übles nachreden, selbst wenn jener wirklich schuldig ist. … Denn Ehre und guter Name ist bald genommen, aber nicht bald wiedergegeben. … Davon ausgenommen ist jedoch weltliche Obrigkeit, … dass das Böse doch nicht ungestraft bleiben dürfe.“
Verschiedene Institutionen der Gesellschaft haben also sogar den Auftrag Fehlverhalten aufzudecken und öffentlich zu diskutieren. Aber dabei kommt es nun mal zu weiteren Ungerechtigkeiten. Auch wer qualifiziert und beauftragt ist, macht in seiner Tätigkeit Fehler. Das sieht Luther mit zukunftsweisendem Realismus ohne es zu entschuldigen. Deshalb werde ich als Privatmann - ohne Auftrag und nur aus zweiter Hand informiert - schon in meiner Urteilsbildung sehr vorsichtig sein und mich erst recht nicht vor irgendeinen Karren spannen lassen. So kann ich Anteil nehmen und interessiert mitdenken ohne die Grenze zur ungerechten Rufschädigung zu überschreiten.
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