Weihnachten ist ein Aufruf zum Teilen

Projekt des Kirchenkreises: Niger - Kredite wecken Hoffnung


Die Tatsache, dass jeder sechste Mensch auf der Welt an Hunger leidet, hat die Direktorin des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, als Skandal bezeichnet. Zu Weihnachten erinnerte sie daran, dass 925 Millionen Menschen hungern, obwohl weltweit genug Nahrungsmittel produziert werden. „Bei bei uns werden täglich riesige Tonnagen an Lebensmitteln vernichtet, die nur auf unserem Markt sind, um größere Vielfalt ähnlicher Produkte im Angebot zu haben“, kritisierte die Theologin und forderte zum Teilen auf. Sie plädierte für einen Bewusstseinswandel. Die Ausrichtung am ständig steigenden Wirtschaftswachstum müsse abgelöst werden durch eine Ökonomie des Genug.

Immer mehr Agrarland im Süden diene nicht mehr der Versorgung der heimischen Bevölkerung mit Lebensmitteln, sondern der Produktion von noch mehr Überfluss auf unseren Tischen und noch mehr Lebensmittel-Abfall oder Bio-Sprit, kritisierte Füllkrug-Weitzel. „Allein durch eine Veränderung unseres Einkaufsverhaltens und unseres Energieverbrauchs können wir zur Hungerbekämpfung beitragen“, sagte Füllkrug-Weitzel.
Das Weihnachtsfest sei ein guter Anlass, sich auf das Teilen und auf die eigene Verantwortung und die eigene Chance für mehr Nahrungsgerechtigkeit zu besinnen. „Auch große europäische Lebensmittelkonzerne kaufen Land von afrikanischen Kleinbauern auf.“ Die Theologin forderte, durch bewusstes Konsumverhalten mehr Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen zu übernehmen.

Füllkrug-Weitzel plädierte für eine neue Bescheidenheit. „Slogans wie ‘Geiz ist geil‘ mögen attraktiv wirken. Wonach die meisten sich innerlich sehnen und was wir wirklich brauchen, sind Werte und sinnhaftes Leben. Gerechtigkeit ist ein Schlüsselwort und erfordert Selbstbescheidung und Genügsamkeit.“ Es sei Zeit, laut zu sagen, dass wir die Nase voll haben von Konsum und Werbung.

„Unser Wohlstand geht zu Lasten anderer und der Umwelt. „Es gibt meinem Leben mehr Sinn, dazu beizutragen, dass nicht mehr alle drei Sekunden ein Kind an den Folgen von Armut und Hunger stirbt“, sagte Füllkrug-Weitzel.


Das Projekt des Kirchenkreises Burgdorf:

Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Immer wieder führen Dürren zu Hungersnöten. Die "Brot für die Welt"-Partnerorganisation ADA unterstützt die Menschen am Niger-Fluss – unter anderem durch Kleinkredite, die ihnen den Aufbau einer Existenz ermöglichen.

In Goungo bon, einem 400-Einwohner-Örtchen am nördlichen Niger, steigen die Temperaturen im Sommer auf 45 Grad Celsius, die Luft flirrt vor Hitze, der Boden reißt auf. "In dieser Zeit wächst nichts mehr auf unseren Feldern", sagt Ortsvorsteher Djibo Ganda. "Früher haben wir uns irgendwie durchgeschlagen, aber die meisten Dorfbewohner hungerten." Dass direkt vor ihren Türen ein Schatz lag, war ihnen bis 2003 nicht bewusst: Die großen Mulden auf dem freien Feld vor ihrem Ort füllen sich in der Regenzeit mit Wasser. Es dauert Wochen, bis es verdunstet. "Wir haben diesen Teich 20 Jahre lang nicht genutzt", räumt der Ortsvorsteher ein.

Fischzucht sichert Ernährung
Es waren Mitarbeitende der nigrischen Fischervereinigung ADA, einer von "Brot für die Welt" unterstützten Organisation, die ihnen die Augen öffneten: Sie könnten doch in dem Tümpel Fische heranziehen, sie dann verkaufen und davon Reisvorräte einkaufen, schlugen sie den Dorfbewohnern vor. Als Starthilfe gewährte der von ADA ins Leben gerufene Kreditverband "Hallassi" einer Gruppe des Dorfes ein Darlehen von 30.000 CFA-Francs (45 Euro), von dem sie sich an die 1.000 Minikarpfen kauften. Die setzten sie in den Teich und warteten ab.

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