Zwischenbericht der Lenkungsgruppe

zum Organisationsentwicklungsprozess
im Kirchenkreis Burgdorf



Stand: 25. April 2008

1. Vorbemerkungen

Der Kirchenkreistag hat mit der Verabschiedung des Prozessverlaufs für den Organisationsentwicklungsprozess (OE-Prozess) am 7. September 2005 beschlossen, dass im Sommer 2007 über Ergebnisse des Prozess berichtet wird. Ein erster Bericht der Lenkungsgruppe und Empfehlungen zur weiteren Arbeit ist am 11. Juni 2007 vorgelegt worden. Für den Kirchenkreistag am 4. März 2008 ist dieser Bericht nun fortgeschrieben worden.

Mit dem Prozessverlauf hat der Kirchenkreistag folgende Ziele für den OE-Prozess festgeschrieben:

1. Der Kirchenkreis und die Gemeinden bzw. Einrichtungen entwickeln Visionen, wie die Arbeit evangelischer Kirche im Kirchenkreis im Jahr 2020 aussehen wird.

2. Der Kirchenkreis und die Gemeinden bzw. Einrichtungen entwickeln Strukturen, die dazu beitragen, Kosten langfristig zu senken bzw. Einnahmen zu steigern. Insbesondere werden Kosten- und Gebäude- und Energiemanagement - in einer an die Erfordernisse des Kirchenkreises angepassten Form - etabliert. Ein Fundraisingkonzept wird für den Kirchenkreis verabschiedet.

3. Der Kirchenkreis und die Gemeinden bzw. Einrichtungen nehmen die sich verändernden finanziellen, demographischen und gesellschaftlichen Rahmendaten wahr und gestalten ihre Angebote so, dass sie auf die für ihren jeweiligen sozialen Raum erhobenen Rahmendaten bezogen werden.

4. Der Kirchenkreis und die Gemeinden bzw. Einrichtungen fördern gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Sie entwickeln beispielhaft an einzelnen Projekten Modelle der regionalen Zusammenarbeit und der Kooperation mit den Einrichtungen des Kirchenkreises.

5. Der Kirchenkreis und die Gemeinden bzw. Einrichtungen fördern zielorientierte Arbeit, die sich durch Entwicklung von Konzeptionen, Beschreibung von Zielen und Überprüfung der erreichten Ziele auszeichnet.


2. Rückblick auf die Arbeit der Lenkungsgruppe und den bisherigen Prozess

2.1. Lenkungsgruppe

Beauftragt durch den Kirchenkreistag hat von Prozessbeginn an, eine fünfköpfige Lenkungsgruppe, bestehend aus den Pastoren Friedemann Pannen, Peer Schladebusch und Ute Schneider-Smietana, sowie den ehrenamtlichen Mitarbeitern Annegret Oelschlägel und Bernd Lange, die Steuerung des OE-Prozess in die Hand genommen. Sie wurde dabei extern begleitet von Matthias Kaune als Organisationsberater. Friedemann Pannen schied am 16. Oktober 2007 aus der Lenkungsgruppe aus. Bis dahin waren er und Ute Schneider-Smietana auch als Sprecher der Lenkungsgruppe tätig. Aktuell arbeitet die Lenkungsgruppe zu viert weiter.

Zu den weiteren Aufgaben der Lenkungsgruppe gehörte auch die Organisation und Durchführung der Frühstücksinfos in den Regionen des Kirchenkreises in der Anfangsphase des OE-Prozess, die Erarbeitung eines Konzeptes für die Regionalkonferenzen sowie deren Begleitung, und damit verbunden auch die Initiierung einer qualifizierten Moderatorenschulung und schließlich die Mitarbeit bei den Visionsworkshops.

Mitglieder der Lenkungsgruppe waren auch in den Gremien des Kirchenkreises, Ausschüssen des KKT, der Planungsgruppe oder Projektgruppen wie Kostensenkung und Gebäude- und Energiemanagement vertreten, so dass eine sehr gute Vernetzung zugunsten des OE-Prozess gewährleistet werden konnte. Seit die Lenkungsgruppe im Oktober 2005 ihre Arbeit aufgenommen hat fanden ca. 24 Arbeitstreffen statt, die meist einen Umfang von drei Stunden hatten.

In aller Kürze sei an dieser Stelle auf die bisher entstandenen Kosten des OE-Prozess insgesamt hingewiesen. Laut Sachbuchauszug des KKA vom 21.02.2008 belaufen diese sich im Jahr 2005 auf 681,80 €, im Jahr 2006 auf 6000,00 € und im Jahr 2007 auf 3150,00 €.

2.2. Der Prozess hat mindestens vier Ebenen

➢ Projektarbeit zur Kostensenkung und zum Gebäude- und Energiemanagement

➢ Stärkung der Profilbildung und Konzeptarbeit in den Kirchengemeinden

➢ Förderung der regionalen Zusammenarbeit

➢ Visionsarbeit

2.2.1. Projekt Kostensenkung im Kirchenkreis Burgdorf

Nach der Entscheidung des KKV am 21.12.2005, das Projekt Kostensenkung zu realisieren, traf sich eine Projektgruppe im Zeitraum vom 27.02. bis 30.06.2006.
Das operative Geschäft übernahm dabei Frau Susanne Haack aus dem Kirchenkreisamt. Sie durchforstete Haushalte und verglich Rechnungsposten, fragte in den Kirchengemeinden nach, forschte nach attraktiven Anbietern verschiedener Dienstleistungen und Waren und handelte schließlich etliche günstigere Konditionen für die Gemeinden aus. Mutig und innovativ wagte sich der Kirchenkreis so an ein neues Projekt. Denn sehr schnell stieß die Arbeit der Gruppe auch auf Widerstände: Jede Kirchengemeinde ist schließlich eine eigenständige Rechtseinheit. Immer wieder war deshalb auch das Erreichen des gesteckten Zieles gefährdet: Es sollte aufgezeigt werden, wie Einsparungen in der Größenordnung von 25.000 Euro realisiert werden können. Auch wenn einige Gemeinden das bisweilen als Bevormundung missverstanden, ging es um die Erarbeitung und Darstellung von Alternativen, über deren Annahme immer nur vor Ort entschieden werden kann.

Glücklicherweise wuchs nach den ersten Anfangsschwierigkeiten in relativ kurzer Zeit bei verschiedenen Beteiligten die Sensibilität und das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Maßnahmen der Kostenkontrolle und Kostensenkung. Überraschend war es für einige schon, was sie allein durch den Wechsel der Druckerei an Kosten für die Erstellung ihres Gemeindebriefes einsparen konnten. Die Gemeinden Markus-Matthäus Lehrte sparen z.B. nun pro Ausgabe 1.301,81 Euro ein bei gleichzeitig gestiegener Qualität. Für viele weitere Dinge von A wie Abendmahlswein bis Z wie Zitrusreiniger konnten Einsparmöglichkeiten bis zu 45 % aufgezeigt werden. Konkret ließen sich so Einsparungen von über 18.000 Euro realisieren. Die von den Gemeinden gemeinsam erstellte Liste der Einsparpotenziale enthält jedoch eine erheblich größere Ersparnis als die anvisierten 25.000 Euro.

Zur Evaluation und Realisierung bedürfte es jedoch einer größeren personellen Kapazität im Kirchenkreisamt, einer wachsenden Bereitschaft der Hauptberuflichen und verbindlicherer Kommunikationsstrukturen. Deshalb empfahl die Projektgruppe Kostensenkung in ihrer abschließenden Sitzung dem Kirchenkreisvorstand und dem Kirchenkreistagsvorstand, einen Kostensenkungsausschuss zu bilden und das Kirchenkreisamt zu beauftragen, nach dem 30.09.2006 pro Halbjahr ein Einsparpotenzial aus der gemeinsamen Liste zu bearbeiten und den Beteiligten anschließend konkrete Alternativen aufzuzeigen. So wurde schließlich ein neuer Kostensenkungsausschuss installiert und zunächst das Einsparpotenzial bei den Telefonkosten durch Frau Tkazyk vom KKA untersucht.

Die Hochrechnung der Aufwendungen auf der Basis der Daten von Januar-Juli 2007 ließen ohne die Superintendentur und das Kirchenkreisamt - diese Daten lagen nicht vor - Gesamtaufwendungen für das Jahr 2007 in Höhe von rd. 30 T€ und davon für die Kondek in Höhe von rd. 5 T€ erwarten. Dieser Aufwand wurde auf die am 30.06.2006 vorhandenen Gemeindeglieder bezogen und man erhielt eine Bandbreite von 0,23 bis 0,98 € bei einem Mittelwert von 0,47 €/Gemeindeglied. Die enormen Abweichungen vom Mittelwert waren Anlass genug, den Dingen auf den Grund zu gehen, weil erfahrungsgemäß ein hohes Einsparpotential zu erwarten war. Es wurden Gespräche mit Repräsentanten der Firmen Kondek, Telekom und htp geführt. Die offensichtlich leistungsfähige Firma htp. ist regional in Hannover und weiten Teilen Niedersachsens präsent. Die Kirchengemeinden Ehlershausen und Uetze aus unserem Kirchenkreis sind im Anschlussgebiet nicht verfügbar. Diesen Kirchengemeinden wurde dringend empfohlen, sich individuelle Angebote von anderen leistungsfähigen Partnern als dem bisherigen einzuholen.

Es wurde ferner festgestellt, dass das zwingend ab 2009 anzuwendende kirchliche Meldewesenprogramm (Mevis/NT) nur mit der Firma Kondek als Internetprovider genutzt werden kann. Innerkirchlich betrachtet, besitzt die Firma Kondek somit im Hinblick auf das kirchliche Meldewesen eine Monopolstellung. Die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers ist alleiniger Eigentümer der Firma Kondek. Beide nutzen das gleiche Rechenzentrum. Das Rechenzentrum selbst ist als GmbH organisiert. Das Stammkapital wird zu 100% von den Landeskirchen im norddeutschen Raum gehalten. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat einen Rahmenvertrag mit der Telekom über Festnetzanschlüsse abgeschlossen, der das Johanneswerk in Bielefeld in die Abwicklung einbezieht.

Der Kostensenkungsausschuss empfiehlt deshalb, aus der Sicht der Kirchengemeinden über die Effizienz dieser Strukturen nachzudenken. Die Leistungen der Kondek sollten Sie auf die Nutzung des Mevis/NT-Programms beschränken. Technisch gesehen entspricht die Datensicherheit bei der Firma htp dem Standard ihres bisherigen Partners.

2.2.2. Projekt Gebäude – und Energiemanagement im Kirchenkreis Burgdorf

Mit der Initiierung eines Organisationsentwicklungsprozesses im Kirchenkreis Burgdorf wurden auch neue Wege im Bereich des Gebäude- und Energiemanagement eingeschlagen. Am 30. November 2006 hat die Projektgruppe „Gebäude- und Energiemanagement im Kirchenkreis Burgdorf (GEM)“ auf Beschluss des Kirchenkreisvorstandes ihre Arbeit aufgenommen. Die Projektgruppe setzt sich zusammen aus je einem Vertreter der fünf Regionen des Kirchenkreises, sowie des Kirchenkreisamtes, des Amtes für Bau- und Kunstpflege, der Lenkungsgruppe und den Vorsitzenden des Bau- und Finanzausschuss des Kirchenkreistages. Außerdem arbeiten Heike Koenig als begleitende Architektin und Matthias Kaune als Berater im Organisationsentwicklungsprozess mit.

Zunächst fanden vier Arbeitstreffen bis 25. Juni 2007 statt. In dieser Zeit wurde eine Datenbank erstellt, die Auskunft gibt über die Grundflächen der Gemeindehäuser, deren Bewirtschaftungskosten in einem Zeitraum von jeweils drei Jahren sowie die rechnerischen Baukosten. Ziel ist Kostenspitzen im Bau- und Bewirtschaftungsbereich einzelner Kirchengemeinden erkennen zu können, sowie Überhänge im Flächenbestand, sofern dieser im Verhältnis zum Raumprogramm der Landeskirche gesehen wird. Es wurde eine Methode zur Raumnutzungsanalyse für die Kirchengemeinden erarbeitet. Weiterhin wurden dem Kirchenkreisvorstand von der Projektgruppe Zielzahlen im Hinblick auf die Senkung der Betriebskosten in Gemeindehäusern vorgeschlagen. Daraus ergibt sich gegenwärtig für das Gebäude- und Energiemanagement im Kirchenkreis die Aufgabe, die Senkung bzw. Optimierung der Kosten im Bau- und Bewirtschaftungsbereich durch eine Reduktion der Gemeindehausflächen zu erreichen. Dazu hat der Kirchenkreisvorstand am 18.Oktober 2007 Beschlüsse gefasst.

In einem Zeitraum von 5 Jahren sollen die Verhältniszahlen zum Raumprogramm der Landeskirche von jetzt kirchenkreisweit 153 % auf durchschnittlich 120 % gesenkt werden. Jede Kirchengemeinde darf höchstens 130 % erreichen. Diese Obergrenze muss nicht allein durch reale Flächenreduzierungen erreicht werden. Auch „Alternativfinanzierungen“ können dazu beitragen. Eine angemessene Mitfinanzierung gegebenenfalls anfallender Umbauarbeiten durch den Kirchenkreis ist sicher zu stellen.
Für die Beratung von Kirchengemeinden bezüglich der Reduktion von Gemeindehausflächen und für Energieberatung bezüglich ihrer Gemeindehäuser stellt der Kirchenkreis finanzielle Mittel zur Verfügung. Zudem ist auch eine Selbstbeteiligung der Kirchengemeinden vorgesehen.

Der Kirchenkreisvorstand hat ebenfalls die Weiterführung der Projektgruppe „Gebäude- und Energiemanagement im Kirchenkreis Burgdorf“ (GEM) beschlossen. Die Projektgruppe soll dem Kirchenkreisvorstand zuarbeiten und hat den Auftrag die begonnene Arbeit an einer Konzeption für Gebäude- und Energiemanagement im Kirchenkreis weiterzuführen. Sie soll das Erreichen angestrebter Zielzahlen in den Kirchengemeinden und Regionen fördern, in Absprache mit dem Finanz- und Bauausschuss des Kirchenkreistags bei der Empfehlung einer Auswahl von Gemeinden für eine Architekten- oder Energieberatung mitwirken und für die jährliche Aktualisierung der Datenbank durch das Kirchenkreisamt sorgen. Im Januar 2008 hat die Projektgruppe die Weiterarbeit aufgenommen und steht kurz vor der Fertigstellung einer Konzeption für Gebäude- und Energiemanagement für den Kirchenkreis. Diese wird auch in die zu erstellende Finanzsatzung des Kirchenkreises eingehen.

2.2.3. Stärkung der Profilbildung und Konzeptarbeit in den Kirchengemeinden – Förderung der regionalen Zusammenarbeit - Regionalkonferenzen

Um die Kirchengemeinden zu befähigen, ein eigenes Profil zu erarbeiten und Konzeptionen der Gemeindearbeit zu entwickeln, wurden von der Lenkungsgruppe regionale Informationsveranstaltungen (Frühstückinfos) durchgeführt. Bei diesen Veranstaltungen wurde über den Sinn und Arbeitsformen des OE-Prozesses informiert, wurden Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung der Arbeit in der Kirchengemeinde gemacht und wurde Material für die Profilentwicklung an die Hand gegeben (Frageraster zur Erhebung des IST-Standes, Sozialraumdaten….).

Viele Gemeinden haben sich auf den Weg gemacht, Ihr eigenes Profil zu beschreiben und auf dieser Grundlage eine Konzeption zu entwickeln. Der Lenkungsgruppe liegen mittlerweile aus acht Gemeinden Profilbeschreibungen vor. Andere Gemeinden sind offensichtlich noch mit der Profilentwicklung beschäftigt. Andere werden sich noch auf den Weg machen. Die Einsicht in die Notwendigkeit konzeptioneller Arbeit in den Kirchengemeinden wächst. Dies ist ein Ergebnis des bisherigen Prozessverlaufs. Nach Durchsicht der vorhandenen Profile ist es aber nur in sehr geringem Ausmaß gelungen, die Kirchengemeinden zu bewegen, eine Fremdwahrnehmung in die Profilbeschreibung aufzunehmen. Der kritische Abgleich mit Daten des sozialen Raums, in dem Gemeindearbeit stattfindet, ist bisher nur eingeschränkt erfolgt. Deshalb wurden bisher auch nur an wenigen Stellen konzeptionelle Überlegungen auf Daten des sozialen Raums bezogen.

Die Erreichung von Ziel 3 des o.g. Prozesses wurde nicht erreicht. Das Projekt der Öffentlichkeitsarbeit „Gemeinden unterwegs“ hat dazu beigetragen, dass sich Kirchengemeinden der eigenen Stärken vergewissert und diese mit professioneller Hilfe dargestellt haben. Diese Seite der Profilentwicklung und Konzeptionsbildung wurde durch das Ausstellungsprojekt unterstützt. So gut das Projekt „Gemeinden unterwegs“ Aspekte des Organisationsentwicklungsprozesses unterstützt hat, bedarf es allerdings aus Sicht der Lenkungsgruppe eines Konzeptes für die Nutzung der Ausstellungsergebnisse.

Zur Förderung der regionalen Zusammenarbeit dienten zum einen die von der Lenkungsgruppe initiierten regionalen Treffen (Frühstückinfos). Für manche Region war dies seit langem (erst recht für die 2006 neu gewählten Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher) die erste regionale Zusammenkunft auf der Ebene der Kirchenvorstände. Zum anderen wurde von der Lenkungsgruppe wurde ein Konzept für Regionalkonferenzen entwickelt, das mit den geschulten Moderatorinnen und Moderatoren umgesetzt werden soll. Die Umsetzung wurde auf die zweite Jahreshälfte 2007 verschoben, weil etliche Gemeinden mehr Zeit als geplant für die Profilentwicklung benötigen. Überhaupt ist der Stand regionaler Zusammenarbeit in den einzelnen Regionen des Kirchenkreises sehr unterschiedlich. Die Zusammenarbeit reicht von kaum bzw. keine Kontakte bis hin zu gemeinsam verabredeten Projekten (z.B. in Region III im Bereich der Konfirmandenarbeit).

Dies bei der Steuerung des OE-Prozesses zu berücksichtigen, ist eine besondere Herausforderung für die Arbeit der Lenkungsgruppe. Inzwischen haben alle Regionen mindestens eine Regionalkonferenz durchgeführt. Mit Ausnahme der Region I, deren Konferenz leider ausgesetzt werden musste, aber nachgeholt wird. Der Prozess zur Initiierung regionaler Zusammenarbeit dauert länger, als ursprünglich angenommen. Dies hängt vermutlich auch damit zusammen, dass der Leidensdruck an dieser Stelle von Region zu Region unterschiedlich stark wahrgenommen wird. Allerdings ist zu auch beobachten, dass dramatische personelle Veränderungen oder Kürzungen in einer Region nicht automatisch zu intensivierter regionaler Zusammenarbeit führen.

2.2.4. Visionsworkshops

Völlig klar war von Anfang an, dass der Organisationsentwicklungsprozess neben der Fragen der Neuausrichtung von Gemeinden und Kirchenkreis und der Optimierung von Strukturen getragen sein muss von Überlegungen zur Zukunft der christlichen Kirche. Deshalb sollten unsere Vorstellungen und Visionen von unserer Kirche im Jahr 2020 in vier in sich abgeschlossenen Visionsworkshops aufgearbeitet werden.

Unter dem Motto „Komm herüber ..., Grenzen überschreiten“ fand der erste Visionsworkshop am 4. November 2006 in Lehrte statt. Vor dem Hintergrund von gesellschaftlichen Veränderungen, dem Mitgliederschwund in der Kirche und der Notwendigkeit, das bestehende kirchliche Angebot daraufhin zu überprüfen, sollten neue Wege kirchlicher Praxis gedacht werden.

Pastor Dr. Heinrich Grosse vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD gab einen Überblick über notwendige Veränderungsprozesse der Kirche. Jens Watenpul aus Hamburg berichtete von den Erfahrungen, Interesse und Engagement für Nichtregierungsorganisationen, hier speziell Greenpeace zu wecken. Am Nachmittag wurden in 8 Arbeitsgruppen Ansätze für neue Arbeitsweisen in der Kirche lebhaft erörtert.

Dieser erste Visionsworkshop war sehr erfolgreich. Knapp 60 Kirchenvorsteherinnen und –vorsteher, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kirchenkreistagsmitglieder nahmen daran teil. Die Arbeit war sehr lebhaft und konstruktiv. Der Ansatz, Anregungen von Außen mit Möglichkeiten vor Ort zu verknüpfen war genau richtig. Viele Ideen sind entstanden, diskutiert und festgehalten worden. Sie bedürfen aber der weiteren Überprüfung auf ihre Praxistauglichkeit im den Gemeinden und im Kirchenkreis.

Ein zweiter Workshop unter dem Titel „Ehrenamtlich tätig – mit wachsender Begeisterung?!“ zur Begleitung Ehrenamtlicher geplant für Samstag den 2. Juni 2007 musste mangels Teilnehmerzahl (bei Anmeldeschluss lagen nur 11 Anmeldungen vor) leider abgesagt werden.

Angesichts der Veränderungen in den Kirchenvorständen, den vielfältigen Herausforderungen und den Anforderungen der Landeskirche ist der Spielraum und die Zeit für ein intensives „Über-den-Tag-hinaus“-Denken bei Ehren- und Hauptamtlichen nicht grenzenlos vorhanden. Die Belastung für die kirchentragenden Kräfte ist deutlich höher geworden. Insofern muss die sicherlich weiter notwenige Visionsarbeit mit Bedacht angesichts der alltäglichen Belastungen organisiert werden.


3. Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen des OE- Prozess hat der Öffentlichkeitsausschuss des KKT ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit im OE-Prozess erarbeitet. Es wurde im Beirat am 22. März 2006 vorgestellt und hat folgenden Inhalt:

1. Öffentlichkeitsarbeit hat für den OE-Prozess große Bedeutung. OE ist immer ein Kommunikationsprozess, der entsprechend gestaltet und gesteuert werden muss.

2. Folgende Ziele einer Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des OE-Prozesses werden erarbeitet:

Mit Blick auf die interne Öffentlichkeit (Hauptamtliche, alle Kreise und Gruppen in den Gemeinden, KKV, KKT mit seinen Ausschüssen, Lenkungsgruppe, Beirat, KVs, ehrenamtlich Mitarbeitende) soll Öffentlichkeitsarbeit ...

1. Menschen, Gruppen, Gremien und Kreise in den Gemeinden und im Kirchenkreis über den OE-Prozess informieren.
- jeder weiß Bescheid.
- jeder kann sich ohne große Mühen und Wege auf den aktuellen Stand bringen.

2. Begeisterung für den OE-Prozess in die Menschen, Gruppen, Gremien und Kreise transportieren.

3. Kommunikationswege eröffnen.
- kritische Rückmeldungen sind möglich und erwünscht.

Mit Blick auf die externe Öffentlichkeit (säkulare Gemeinde, Nicht Mitglieder der Kirche, politische Gremien, Wirtschaft (z.B. VVV), einfaches Gemeindeglied, Presse) soll
Öffentlichkeitsarbeit ...

4. zu einem positiven Image (Produktstolz) des Kirchenkreises beitragen.

5. ein Forum für Kooperation und kritische Begleitung (z.B. durch Wirtschaft o.ä.) des Prozesses bieten.

6. interessiertes Beobachten erzeugen.

Zwischen interner und externer Öffentlichkeit werden Landeskirchenamt (LKA), Bischöfin, Sprengel und Nachbarkirchenkreise angesiedelt.

Die Ziele haben unter zeitlichen und inhaltlichen Aspekten folgende Gewichtung:

Ziel 2: Begeisterung in die interne Öffentlichkeit transportieren (7 Punkte)

Ziel 1: interne Öffentlichkeit informieren (5 Punkte)

Ziel 4: zu einem positiven Image bei der externen Öffentlichkeit beitragen (2 Punkte)

Ziel 3: Kommunikationswege eröffnen (1 Punkt)

Der Vorrang der Maßnahmen muss auf die interne Öffentlichkeit gelegt werden. Die Favorisierung von Ziel 2 allerdings bedeutet nicht, dass die interne Öffentlichkeit schon ausreichend informiert sei. Dies muss bei den geplanten Maßnahmen weiter im Blick behalten werden.

3. Folgende Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit können den o.g. Zielen zugeordnet werden:

Newsletter (1 und ggf. 3)

Internet evt. mit eigener Domaine (1 und 6)

Logo für den OE-Prozess (1 und 6)

Botschafter (2)

"Kreuz & Quer" im November 2006 (1 und ggf. 2)

Event, Lotterie, Entwickeln, Stammtisch zusammen mit Fundraising (?) (2, 3 und 6) Pressearbeit (4 und 6)

Kirchliche Presse (epd, ez, ekn) (4 und 6) Rundfunk (4 und 6)

Ausstellungsprojekt „Gemeinden unterwegs“, Präsentation auf den Marktplätzen

Eine Reihe der im Konzept genannten Maßnahmen wurden durchgeführt, so der Newsletter und die Einrichtung einer Homepage, auf der Informationen abgerufen werden können. Ebenso wurde das auf Seite 1 dieses Zwischenberichtes befindliche Logo entwickelt. In der Presse und in "Kreuz & Quer" war der Prozess Thema. Das Jahresmotto 2007 des Kirchenkreises, wie auch des Kirchenkreisballes im Januar 2007 lautete „Profil zeigen“. Besonderen Ausdruck findet dies im Projekt „Gemeinden unterwegs“. Die Kirchengemeinden und Dienste des Kirchenkreises haben dazu im Jahr 2007 gearbeitet. Die Ergebnisse des Projektes wurden in einer profilierten Ausstellung in der Alten Schlosserei in Lehrte vom 11. -18. November 2007 eine Woche lang einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Presseartikel und ein Rahmenprogramm begleiteten die Ausstellung an diesem wohl bekannten städtischen Ausstellungsort. Inzwischen wandern die Roll ups im wöchentlichen Turnus durch die Kirchengemeinden.

Zuletzt soll an dieser Stelle auch hingewiesen werden auf die Frühstücksinfos, die Blumenzwiebelaktion, die wiederkehrenden Informationen in Kirchenkreiskonferenzen oder auf Konventen sowie die Übermittlung von Sozialraumdaten für die Regionen des Kirchenkreises und die regionalisiert ausgewertete Befragung während der Kirchenvorstandswahl 2006.


4. Folgerungen für den weiteren Prozessverlauf

Perspektive 2020 im Auge behalten
Ausgangspunkt für den OE-Prozess war die Perspektive eines Kirchenkreises im Jahr 2020. Dafür sollte die inhaltliche Ausrichtung, die organisatorischen Reformen und der Bezug zu den sich verändernden Sozialräumen gedacht werden. Kurzfristige Notwendigkeiten und Planungszeiträume der Landeskirche haben diese Perspektive 2020 etwas zugeschüttet, diese gilt es wieder freizulegen.

Wahrnehmung des Veränderungsprozesses im Auge behalten
Die Wahrnehmung der innerkirchlichen und der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse ist auch durch den OE-Prozess deutlich gewachsen. Diese Entwicklung sollte weiter durch den OE-Prozess begleitet werden und der Kirchenkreis und die Gemeinden in der Entwicklung der Antwort in neuen Profile/Leitbilder gestärkt werden. Hier gehört auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Fremdwahrnehmung dazu. Die bisherige Profilentwicklung spielte sich offenkundig zu stark im binnenkirchlichen Blickfeld ab. Es muss gelingen, die Fremdwahrnehmung und die gesellschaftlichen Herausforderungen in die konzeptionelle Arbeit der Kirchengemeinden einzubeziehen. Zudem können weiterhin Anregungen von außerhalb des Kirchenkreises genutzt werden (Visionsworkshop).

Aufgabenkonzentration
Der OE ist zunächst auf den Kirchenkreis ausgerichtet. Insofern sollte auch hier der Schwerpunkt der zukünftigen Aktivitäten liegen.
Das Ergebnis der Grundstandardfindung muss im OE-Prozess verankert werden.
Die weitere Herausbildung von funktionierenden regionalen Kooperationen (durch z.B. Regionalkonferenzen und regionale Profilbildung ist ein solcher Schwerpunkt. Dabei kann durchaus die Frage einer veränderten/verbesserten Regionseinteilung angegangen und mit Vorschlägen versehen werden.
„Leuchttürme Kirche 2020“ in einzelnen Regionen, Gemeinden, Diensten oder Einrichtungen können fassbare Ergebnisse des OE-Prozesses werden.
Es ist bisher nicht gelungen, die Dienste und Einrichtungen in den Prozess einzubinden. Allerdings sind die Dienste und Einrichtungen in das Projekt Gemeinden unterwegs mit einbezogen. Der zukünftige Prozessverlauf muss daraufhin befragt und ggf. korrigiert werden.

Inhaltliche Stärkung
Neben allen z. Zt. vorhandenen Strukturfragen braucht der Veränderungsprozess eine inhaltlich, visionäre Arbeitsebene. Vielleicht sollte dies nicht mehr in Form von offenen Workshops für die ohnehin schon stark belasteten Zielgruppen geschehen. Vielmehr ist zu überlegen, ob Visionsarbeit nicht besser in kleinen „Spinngruppen“ (Think-Tanks) unter Einbeziehung kirchenfremder Menschen geleistet werden kann. Dann muss allerdings gefragt werden, wie Ideen und Visionen anschließend kommuniziert werden. Eine Alternative wäre die Anbindung von Visionsarbeit an Kirchengemeinden bzw. eine Region, die an dem jeweiligen Thema inhaltlich dran sind.
Zur weiteren Unterstützung von innovativen Projekten im Zusammenhang mit regionaler Kooperation oder Profilbildung sollten Anreize in der Mittelvergabe geschaffen werden.

Konzeptionelle Arbeit
Angesicht der Veränderungen im landeskirchlichen Zuweisungsrecht gewinnt die zielorientierte und konzeptionell gestaltete kirchliche Arbeit an Bedeutung. Der Prozess muss die Konzeptionsentwicklung kontinuierlich vorantreiben. Es ist zu fragen, wie dies am besten geschehen kann. Eventuell bietet sich eine Verzahnung zwischen Struktur- und Planungsausschuss und den Regionalkonferenzen an. Wo es keine gewachsenen Strukturen regionaler Zusammenarbeit gibt, könnten diese ggf. durch materielle Anreize gefördert werden. Der übergemeindlichen Zusammenarbeit kommt angesichts der kirchlichen Entwicklungen wachsende Bedeutung zu. Der Kirchenkreis muss ein Interesse daran haben, dass Kirchengemeinden konzeptionell verankert – nicht bloß zufällig oder von den Neigungen der Beteiligten abhängig – zusammenarbeiten. Der OE-Prozess kann dabei in den Gemeinden vorhandenes Potential stärken, indem er dazu beiträgt diese Stärken zu identifizieren und Modellprojekte zu initiieren. Es ist zu prüfen, ob die Mittel des Innovationsfonds hier nicht stärker eingesetzt werden können.

Die Hauptamtlichen im OE-Prozess
Im Blick auf den OE-Prozess ist die Überzeugung und das Engagement der Hauptamtlichen ein wesentlicher Faktor, gerade auch um bei der Entwicklung konzeptioneller Arbeit voranzukommen. Visionsarbeit und die Schärfung des Blicks in den nahen Sozialraum scheint für die Hauptamtlichen unerlässlich zu sein. Der weitere Prozessverlauf wird dies zu berücksichtigen haben.

Gebäudemanagement und Kostensenkung weiterführen
Die Projektgruppe GEM und die AG Kostenmanagement müssen weitergeführt werden und Optimierungsvorschläge erarbeiten. Sie müssen auch in Zukunft eng mit dem Finanzausschuss und dem Bauausschuss des KKT zusammen arbeiten. Die Projektgruppe GEM arbeitet im Auftrag des KKV diesem zu und trägt dazu bei, dass die GEM betreffenden KKV-Beschlüsse realisiert werden und eine Konzeption für GEM erstellt wird. Wichtig erscheint auch eine Verknüpfung mit den inhaltlichen regionalen Profilierungen und Kooperationen. Eine Umsetzung der Vorschläge ist zu strukturieren. Gegebenenfalls ist hier auch eine Verknüpfung mit dem Arbeitsbereich Fundraising herbeizuführen.

Informationsmanagement
Um Transparenz und Klarheit für den OE-Prozess zu gewährleisten, aber auch um das Miteinander insgesamt zu verbessern wird ein standardisiertes Informationsmanagement eingeführt.

Reorganisation
Der OE-Prozess muss nach diesem Zwischenschritt mit geschärften Zielen und Aufgabenstellungen neu justiert werden. Dieser neue Auftrag muss mit den Kirchenkreisgremien abgestimmt werden.
Zukünftig sollte der OE-Prozess kontinuierlich vom KKV begleitet werden. Der KKV sollte den Dialog mit der Lenkungsgruppe führen. Die Rolle des Beirats muss auf seine Notwendigkeit hin überprüft werden. Angesichts knapper Zeit- und Geldressourcen sollte es eine möglichst schlanke Organisationsform geben. Doppelarbeit sollte vermieden werden.


5. Fazit

Der OE-Prozess hat große Teile der definierten Ziele bearbeitet. Für einige Ziele (vor allem 4 und 5) gibt es Konzepte und Verabredungen, die umgesetzt werden müssen. Bis Spätsommer 2008 sollte auf der Grundlage dieses Zwischenberichts im KKV entschieden werden, mit welchen Zielen und Schwerpunkten die Organisationsentwicklung im KK Burgdorf fortgesetzt wird. Zur Fortsetzung ihrer Arbeit für den OE-Prozess braucht die Lenkungsgruppe personelle Verstärkung und eine neue Zusammensetzung sowie einen neuen Auftrag. Neben den personellen Ressourcen bedarf es natürlich auch der Bereitstellung finanzieller Ressourcen.


Für die Lenkungsgruppe:
Pastorin Ute Schneider-Smietana, 25. April 2008